{"id":6643,"date":"2026-03-04T09:29:19","date_gmt":"2026-03-04T08:29:19","guid":{"rendered":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/?p=6643"},"modified":"2026-03-04T09:29:19","modified_gmt":"2026-03-04T08:29:19","slug":"marty-supreme-auswirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/?p=6643","title":{"rendered":"Marty Supreme &#8211; Auswirkungen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weinheimer Nachrichten | Sport | Mittwoch, 4. M\u00e4rz 2026<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/epaper.wnoz.de\/edition-dm\/data\/20260304\/generated\/images\/049ae11e-dfa5-4852-9305-0f801315d900.jpg.jpg;jsessionid=B6D6A05E31E4F30EC5D4F8DC4C77181C\" alt=\"049ae11e-dfa5-4852-9305-0f801315d900.jpg.jpg\" \/><\/p>\n<p>Trainer Rainer Schmidt gewann mit seinen Frauen vom TTC 46 Weinheim gegen Seriensieger ttc eastside Berlin die Deutsche Meisterschaft \u2013 ein hollywoodreifes Tischtennism\u00e4rchen in der Provinz.\u00a0<strong>Bild: Philipp Reimer<\/strong><\/p>\n<p><strong>Von Bernd GraberWeinheim, 03.03.2026<\/strong><\/p>\n<p>Randsport im Rampenlicht: Timoth\u00e9e Chalamet ist im Kinofilm \u201eMarty Supreme\u201c ein Oscar-Anw\u00e4rter \u2013 auch Timo Boll hat einen Kurzauftritt. Kann es einen Boom geben?<\/p>\n<h3><strong>Hollywood tr\u00e4umt, die Basis k\u00e4mpft: Tischtennis zwischen Kino und Kreisliga<\/strong><\/h3>\n<p>Weinheim. Hollywood hat Tischtennis entdeckt. Im Film \u201eMarty Supreme\u201c steht Oscar-Anw\u00e4rter Timoth\u00e9e Chalamet als amerikanischer Tischtennisspieler Marty Reisman an der Platte, ein charismatischer Filou und Tischtenniswunderkind. Stylish inszeniert, schnelle Schnitte in langen Hosen, gro\u00dfe Emotion. Sogar der deutsche Tischtennis-Star Timo Boll (44) hat einen Gastauftritt in Nachkriegsklamotten. Pl\u00f6tzlich wirkt das schnellste R\u00fcckschlagspiel der Welt wie Popcorn-Pingpong. Und vielleicht ist das gar nicht neu. Vielleicht war Tischtennis schon immer cool \u2013 nur leiser.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend auf der Leinwand Stars gefeiert werden, k\u00e4mpft der Sport abseits des Kinos mit ganz anderen Fragen: Wie gewinnt man Nachwuchs? Wie bleibt man sichtbar? Und wie behauptet man sich in einer Sportwelt, in der Fu\u00dfball fast alles \u00fcberstrahlt?<\/p>\n<p>Einer, der diese Entwicklung seit Jahrzehnten begleitet, ist Rainer Schmidt, Trainer der Frauen des TTC 1946 Weinheim. Amtierender Deutscher Meister \u2013 2025 durch den Verband der Deutscher Tischtennistrainer (VDTT) nominiert zum Trainer des Jahres.<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfball dominiert<\/strong><\/p>\n<p>Den Film wird er sich im Kino anschauen. \u201eNat\u00fcrlich.\u201c Aber an einen Boom glaubt er nicht. \u201eKurzfristig kann es sein, dass in Familien wieder \u00f6fter zum Schl\u00e4ger gegriffen wird. Nachhaltig wird das eher nicht sein.\u201c Allein die Tatsache, dass der Film mit insgesamt wenigen Kopien in die deutschen Kinos komme, sagt viel. Selbst gro\u00dfe internationale Erfolge wie durch die Basketball- und Handballnationalmannschaft h\u00e4tten meist nur kurzfristige Effekte. Aufmerksamkeit sei im deutschen Sport und den Medien ungleich verteilt. \u201eFu\u00dfball steht weit \u00fcber allem, dann kommt lange nichts.\u201c Ein Film allein \u00e4ndere keine Strukturen. \u201eSelbst in Weinheim wissen viele nicht, dass der Deutsche Meister der 1. Damen-Bundesliga aus Weinheim kommt.\u201c<\/p>\n<p>\u00c4hnlich n\u00fcchtern bewertet es Abteilungsleiter Rudi Vogel (Bild: Marco Schilling) von der SG Wald-Michelbach. \u201eNein, das glaube ich nicht\u201c, sagt der 69-J\u00e4hrige, seit Jahrzehnten auch Jugendwart und Trainer im Odenwald. So sei Timo Boll schon w\u00e4hrend seiner aktiven Laufbahn das Aush\u00e4ngeschild gewesen \u2013 auch \u00fcber Tischtennis hinaus. Geboomt habe aber nichts.<\/p>\n<p><strong>Vom Onkel an die Platte gebracht<\/strong><\/p>\n<p>Rainer Schmidt ist 55 Jahre alt, Gymnasiallehrer, verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in Viernheim. Zum Tischtennis kam er mit zw\u00f6lf Jahren \u2013 durch seinen Onkel, ein \u201eTischtennis-Urgestein\u201c in Viernheim. Was als Familiensport begann, wurde schnell Leidenschaft. Mit 31 erwarb er die A-Lizenz des Deutschen Tischtennis-Bundes. Als verantwortlicher Landeshonorartrainer in Nordbaden betreute er Talente wie Frederick Jost und Luisa S\u00e4ger, die sp\u00e4ter Deutsche Meister im Jugendbereich wurden. Seit 2007 arbeitet Schmidt beim TTC 1946 Weinheim, f\u00fchrte die Herren durch Regionalliga, 3. und 2. Bundesliga. Seit Januar 2023 ist er Cheftrainer der Damen in der 1. Bundesliga \u2013 und wurde in der Saison 2024\/25 Deutscher Meister. Er kennt die Basis. Und die Spitze.<\/p>\n<p><strong>Ein Sport f\u00fcr alle<\/strong><\/p>\n<p>\u201eTischtennis ist die schnellste R\u00fcckschlagsportart der Welt\u201c, sagt Schmidt. \u201eUnd jeder kann spielen \u2013 jung oder alt, Mann oder Frau.\u201c \u00c4hnlich sieht es Rudi Vogel und f\u00fcgt noch einen Vorteil an: \u201eEs ist kein Kontaktsport und man verletzt sich deshalb nicht so h\u00e4ufig.\u201c Eigentlich beste Voraussetzungen. Kaum Material, wenig Platz, klare Regeln, schnelle Erfolgserlebnisse. Und doch sinken vielerorts die Nachwuchszahlen.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen mehr als andere Sportarten Pr\u00e4senz zeigen, zum einen in den Schulen und oder Kinderg\u00e4rten, zum anderen mit Veranstaltungen, die in die \u00d6ffentlichkeit getragen werden und die Menschen zum Tischtennissport bringen. Zudem muss in den Vereinen mehr passieren, als nur das Tischtennisspielen zu erlernen. Ausfl\u00fcge, Veranstaltungen und Fahrten zu Events geh\u00f6ren in die Jugendbereiche eines Vereins. Der TTV Weinheim West zum Beispiel macht vieles sehr gut\u201c, sagt Schmidt.\u201c<\/p>\n<p>Rudi Vogel steht f\u00fcr genau diese Basis. Seit 2009 Jugendwart der SG Wald-Michelbach, Trainer und Abteilungsleiter, ein Amt, das er bereits von 1981 bis 1990 innehatte. Nach seiner Lehre bei Coronet war er EDV-Leiter des Unternehmens, machte sich selbstst\u00e4ndig und programmierte Gro\u00dfrechner f\u00fcr Firmen. Fr\u00fcher war er beruflich l\u00e4ngere Zeit im Ausland unterwegs \u2013 dem Verein blieb er trotzdem treu.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Schulhof wird gespielt<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend andernorts \u00fcber Nachwuchsschwund geklagt wird, kann Vogel andere Zahlen nennen: 58 Kinder und Jugendliche sind aktuell gemeldet, rund 90 Mitglieder z\u00e4hlt die Abteilung insgesamt. \u201eDas Problem haben wir Gott sei Dank nicht.\u201c Trainiert wird im \u00dcberwald-Gymnasium, die Eugen-Bachmann-Schule liegt in unmittelbarer N\u00e4he. Auf dem Schulhof stehen Tischtennisplatten, die in den Pausen intensiv genutzt werden. Viele neue Kinder k\u00e4men \u00fcber Mundpropaganda. Wer spielt, bringt Freunde mit.<\/p>\n<p>Was Rainer Schmidt strategisch fordert, funktioniert in Wald-Michelbach pragmatisch: N\u00e4he zur Schule, sichtbare Infrastruktur, engagierte Ehrenamtliche.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderte Freizeitgestaltung<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem: Fr\u00fcher gab es gef\u00fchlt mehr Tischtennisplatten im \u00f6ffentlichen Raum, an Schulen oder auf Spielpl\u00e4tzen. Warum sieht man kaum noch jemanden beim \u201eKleppern\u201c in gemeinsamer Runde? Schmidt sagt: \u201eTische im \u00f6ffentlichen Raum sind teuer, vielleicht hindert das die St\u00e4dte daran, solche anzuschaffen. Zudem sind einige Tische au\u00dferhalb bestimmter Zeiten nicht nutzbar, da der Zugang nicht m\u00f6glich ist. Auch spielt die Ver\u00e4nderung der Freizeitgestaltung eine Rolle: mehr Social Media, weniger Zeit an der frischen Luft. Das gleiche Problem gibt es bei den Bolzpl\u00e4tzen.\u201c<\/p>\n<p>M\u00e4dchen- und Frauenmannschaften sind zudem vielerorts deutlich in der Minderheit. Warum? \u201eWenn ich das w\u00fcsste, w\u00fcrde ich es \u00e4ndern\u201c, sagt Schmidt offen. Vielleicht brauche es mehr Aktivit\u00e4ten neben dem Sport. Mehr Sichtbarkeit. Mehr Wertsch\u00e4tzung. Die Damen nehmen in Wald-Michelbach dagegen eine f\u00fchrende Rolle ein. Die erste Mannschaft steht aktuell auf Platz eins der Bezirksoberliga, der zum Aufstieg in die Verbandsliga berechtigt. Zwei j\u00fcngere Spielerinnen h\u00e4tten sich zuvor in Jungenmannschaften sehr gut entwickelt. Zudem gebe es derzeit acht neue Spielerinnen im Sch\u00fclerbereich \u2013 Rudi Vogel sagt das nicht ohne Stolz.<\/p>\n<p><strong>Bereits gegen Boll verloren<\/strong><\/p>\n<p>Aber nach dem R\u00fccktritt von Timo Boll \u2013 wer kann seine Rolle als Aush\u00e4ngeschild ausf\u00fcllen? \u201eDas ist schwer zu sagen. International gibt es weiterhin Erfolge f\u00fcr den DTTB. Annett Kauffmann spielt sicherlich eine Rolle, als Frau ist dies in unserer Gesellschaft jedoch schwieriger als als Mann. Einen Timo Boll gibt es nur alle 20 bis 30 Jahre, man muss abwarten, was die n\u00e4chste Generation hervorbringt\u201c, sagt Schmidt. Auch Vogel nennt Anett Kaufmann an erster Stelle, aber auch Sabine Winter oder Wan Yan sollte man nicht vergessen. Patrick Franziska, der als Sch\u00fcler eine Zeitlang sogar f\u00fcr den damaligen Oberligisten SV M\u00f6rlenbach spielte, w\u00e4re nat\u00fcrlich eine Odenw\u00e4lder Idealbesetzung als Boll-Nachfolger. Aber mit 33 Jahren ist er eben auch nicht mehr der J\u00fcngste.<\/p>\n<p>Dass Rudi Vogel \u00fcbrigens selbst einmal gegen Timo Boll spielte, verbindet Basis und Weltspitze auf besondere Weise. Als der damals 14-j\u00e4hrige Sch\u00fcler f\u00fcr den TSV H\u00f6chst aufschlug, stand ihm der erfahrene Wald-Michelbacher gegen\u00fcber. \u201eIch habe mich mehr \u00fcber mich selbst ge\u00e4rgert, dass ich gegen so einen Kleinen verloren habe\u201c, sagt Vogel und l\u00e4chelt. Ein Jahr sp\u00e4ter verlor er erneut. \u201eDer war schon stark.\u201c Aber der \u2013 sp\u00e4ter sogar Weltranglistenerster? Das h\u00e4tte Vogel nicht erwartet. Auch gro\u00dfe Karrieren beginnen in kleinen Hallen.<\/p>\n<p><strong>Die Rundlauf-Frage<\/strong><\/p>\n<p>Mit wem w\u00fcrde Rainer Schmidt eigentlich gern einmal Rundlauf spielen? Er grinst. \u201eMit Putin und Trump\u201c, sagt er trocken. \u201eDamit den beiden endlich die Puste ausgeht.\u201c Der Satz ist humorvoll gemeint \u2013 aber er erz\u00e4hlt mehr \u00fcber Tischtennis, als jede Statistik es k\u00f6nnte. Beim Rundlauf z\u00e4hlt keine Macht, kein Titel, keine B\u00fchne. Man rennt, lacht, schl\u00e4gt, verpasst vielleicht den Ball \u2013 und reiht sich wieder ein. Alle an derselben Platte. Schnell, direkt, ehrlich.<\/p>\n<p>Vielleicht sorgt \u201eMarty Supreme\u201c daf\u00fcr, dass Jugendliche neugierig werden. Vielleicht greifen Familien wieder \u00f6fter zum Schl\u00e4ger. Aber ob daraus Zukunft entsteht, entscheidet sich nicht im Kinosaal. Sondern dort, wo B\u00e4lle ohne Soundtrack \u00fcber die Platte springen: in Hallen. Bei Trainern, die seit Jahrzehnten Lizenzen machen und Nachwuchs ausbilden. Bei Vereinen, die Gemeinschaft schaffen. Bei engagierten Jugendabteilungen. Hollywood kann Tischtennis glamour\u00f6s machen. Die Basis muss es tragen.<\/p>\n<p>\u201eMarty Supreme\u201c ist am Wochenende gestartet und l\u00e4uft unter anderem im Kinopolis in Viernheim und im Luxor-Filmpalast Bensheim. Im Hemsbacher Programmkino Brennnessel ist die Kom\u00f6die ab dem 5. M\u00e4rz zweimal t\u00e4glich um 17.30 und 20.15 Uhr zu sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Weinheimer Nachrichten | Sport | Mittwoch, 4. 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