{"id":6829,"date":"2026-06-17T14:07:17","date_gmt":"2026-06-17T12:07:17","guid":{"rendered":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/?p=6829"},"modified":"2026-06-17T14:07:17","modified_gmt":"2026-06-17T12:07:17","slug":"bundesliga-mal-drei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/?p=6829","title":{"rendered":"Bundesliga mal drei"},"content":{"rendered":"<p>Drei Damenteams, drei Bundesligen, ein Verein: In der kommenden Saison schickt der TTC 46 Weinheim gleich drei Damenmannschaften in die drei h\u00f6chsten deutschen Spielklassen. Nach Vereinsangaben ist dies ein Novum im deutschen Tischtennis. Vorstand Christian S\u00e4ger ist einer der zentralen Antreiber dieser Entwicklung, sieht aber auch die damit verbundenen Risiken. Im Interview erkl\u00e4rt er, warum daraus kein reines Vorzeigeprojekt werden soll, sondern eine Entwicklungsstruktur f\u00fcr junge Spielerinnen.<br \/>\nAls die zweite Damenmannschaft des TTC 46 Weinheim im Mai ihr Relegationsspiel in Tostedt mit 6:4 gewann, jubelte man gleich doppelt. Mit dem Aufstieg der Zweiten in die 2. Bundesliga durfte auch die Dritte nachr\u00fccken, die als Meister der Regionalliga schon bereitstand. Ihr Aufstieg in die 3. Bundesliga hing direkt von dem der Zweiten ab.<br \/>\nPl\u00f6tzlich war klar: In der kommenden Saison w\u00fcrden drei Frauenteams eines einzigen Vereins in den drei h\u00f6chsten deutschen Spielklassen auflaufen. Geplant war davon wenig. \u201eWir sind ja eigentlich \u00fcberrascht worden von dem Ganzen&#8220;, sagt S\u00e4ger.<\/p>\n<p>Gejubelt wurde trotzdem nicht ungebremst. \u201eBeides eigentlich&#8220;, antwortet S\u00e4ger auf die Frage, ob die erste Reaktion eher Freude oder Respekt vor der Aufgabe war, denn er ahnte schon, \u201ewas auf uns zukommt&#8220;. Die Entscheidung fiel binnen zwei Tagen: Wenn sich die Chance bietet und es m\u00f6glich ist, sollte man sie nutzen, sagt S\u00e4ger, denn absteigen sei kein Beinbruch, sp\u00e4ter wieder aufzusteigen aber deutlich schwieriger.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung ist kein reiner Zufall. Vor 15 Jahren begann S\u00e4ger gemeinsam mit seiner neunj\u00e4hrigen Tochter und einer weiteren Spielerin damit, den Damenbereich aufzubauen. Wie er es nennt, kam \u201eein Steinchen nach dem anderen&#8220; hinzu, bis die Erste im Vorjahr Deutscher Meister wurde. Dass nun auch die zweiten und dritten Mannschaften mitziehen, ist f\u00fcr ihn eher Resultat von Kontinuit\u00e4t als von Planung.<\/p>\n<p><strong>Stabilit\u00e4t oben, Risiko darunter<\/strong><\/p>\n<p>Die Erste bleibt nun im Kern stabil, wird aber prominent verst\u00e4rkt. Neue Nummer eins ist die Thail\u00e4nderin Orawan Paranang vom TSV Langstadt, der sich aus der Bundesliga zur\u00fcckgezogen hat. Weil pro Spiel nur eine nichteurop\u00e4ische Ausl\u00e4nderin eingesetzt werden darf, m\u00fcssen sich Paranang und die Taiwanesin Tung-Chuan Chien in der Aufstellung abwechseln. Dazu kommen erfahrene Kr\u00e4fte wie annschaftsf\u00fchrerin Yuan Wan, die Ukrainerinnen Veronika Matiunina und Solomiya Brateyko sowie die deutsche Spielerin chinesischer Herkunft Shi Qi, erg\u00e4nzt durch die erst 17-j\u00e4hrige Elisa Nguyen aus Pforzheim als j\u00fcngstes Glied. Das eigentliche Risiko liegt allerdings eine Etage tiefer.<\/p>\n<p>Team zwei und drei sind die eigentliche Entwicklungsachse des Vereins, ein Mix aus deutschem Nachwuchs und internationalen Spielerinnen. Entscheidend ist dabei weniger, wer kommt und geht, sondern die Durchl\u00e4ssigkeit zwischen den Mannschaften: Nguyen pendelt zwischen erster und zweiter, die gerade 14-j\u00e4hrige Lotta Rothfu\u00df zwischen zweiter und dritter. Der Rest des Kaders bleibt im Kern zusammen, mit einer Ausnahme: Enisa Sadikovic wechselt zu Kolbermoor, wo f\u00fcr sie der Sprung in die 1. Liga winkt. Daf\u00fcr kommen die Saarl\u00e4nderin Maryam Farei, die zuletzt bei den Herren spielte und nun wieder bei den Damen antreten will, und die Spanierin Emma Vendelbo.<\/p>\n<p>Nguyen und Rothfu\u00df schreiben ihre eigene kleine Geschichte innerhalb der Aufstiegssaga. Beide bewiesen ihr gro\u00dfes Talent gerade bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt, Nguyen mit der Titelverteidigung im U19-Mixed, Rothfu\u00df mit Gold im U15-Mixed sowie Silber im Einzel und Doppel. Auch Rothfu\u00df selbst beschreibt den Aufstieg nicht als langfristiges Ziel. \u201eEigentlich war die Meisterschaft in der Regionalliga \u00fcberhaupt nicht auf dem Bildschirm&#8220;, sagt sie. Die neue Struktur biete ihr nun \u201ealle M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die weitere Entwicklung&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Logistik, Geld, Ehrenamt<\/strong><\/p>\n<p>Drei Mannschaften bedeuten allerdings nicht nur dreimal hochklassigen Spielbetrieb, sondern auch dreimal die entsprechende Logistik. Schwierig ist nicht der Spieltag selbst. \u201eDas Spiel in der Halle, wenn sie da sind, ist dann noch mehr oder weniger das Einfachste&#8220;, sagt S\u00e4ger. Schwierig ist alles drumherum: Hallen- und Spieltermine f\u00fcr drei Teams parallel koordinieren, Fahrten organisieren, R\u00fccksicht auf WTT-Turniere und Deutsche Meisterschaften einzelner Spielerinnen nehmen, passende Trainer finden.<br \/>\nSelbst Letzteres ist kompliziert: A-Trainer Andreas D\u00f6rner etwa ist baden-w\u00fcrttembergischer Landestrainer und darf deshalb nicht gegen baden-w\u00fcrttembergische Mannschaften coachen. Den Kern des Organisationsteams bilden neben S\u00e4ger drei Trainer und zwei Fahrer.<\/p>\n<p>Finanziert wird das Ganze nicht \u00fcber Mitgliedsbeitr\u00e4ge, sondern \u00fcber Sponsoring: Die Damenmannschaften laufen laut S\u00e4ger \u201efremd- beziehungsweise sponsorenfinanziert&#8220;. Rund 80 Prozent der Sponsoren halten dem Verein die Treue, der Rest wechselt von Jahr<br \/>\nzu Jahr. Im Gespr\u00e4ch mit potenziellen Geldgebern spielt das Nachwuchsargument f\u00fcr S\u00e4ger eine Rolle: Junge deutsche Spielerinnen aus der Region oder dem erweiterten Umfeld lassen sich anders vermitteln als ein reines Erstliga-Spitzenprojekt. Spielerinnen selbst muss der Verein l\u00e4ngst nicht mehr suchen: \u201eDie rufen von sich aus alle von Januar schon an und fragen an&#8220;, so S\u00e4ger. Die drei hochklassigen Mannschaften wirken inzwischen wie ein Magnet.<\/p>\n<p>Team eins soll die Play-o s erreichen, f\u00fcr Team zwei und drei z\u00e4hlen vor allem Spielpraxis und Spa\u00df. \u201eWenn es reicht, reicht es, wenn nicht, dann geht die Welt nicht unter&#8220;, sagt S\u00e4ger. Genau diese Gelassenheit d\u00fcrfte auch mitentscheiden, wie lange das Modell tr\u00e4gt: Weinheim plant nicht auf Krampf f\u00fcr die Ewigkeit, sondern von Saison zu Saison.<\/p>\n<p><strong>Schlussstrich kommt sp\u00e4ter<\/strong><\/p>\n<p>Dahinter steckt f\u00fcr S\u00e4ger auch eine gr\u00f6\u00dfere Frage: wie schwer es geworden ist, im Damenbereich \u00fcberhaupt tragf\u00e4hige Strukturen aufzubauen. Schon drei oder f\u00fcnf aktive Damen in einem Verein zu finden, sei heute eine Herausforderung. Viele Spielerinnen verlieren zwischen 18 und 30, wenn Studium, Job oder Familie dazukommen, den Anschluss an den Leistungssport.<br \/>\n\u201eMan muss 100 Prozent geben, sonst funktioniert es nicht&#8220;, sagt S\u00e4ger. Das gilt nicht nur f\u00fcr die Spielerinnen, sondern f\u00fcr alle im Ehrenamt. Am Ende h\u00e4ngt es von einzelnen Personen ab. \u201eEigentlich sollte man einen Schlussstrich ziehen, als die Deutsche Meisterschaft erreicht war, weil mehr kann man nicht erreichen.&#8220; Was ihn trotzdem weitermachen l\u00e4sst: Von null Zuschauern am Anfang ist Weinheim mittlerweile bei rund 200 pro Heimspiel angekommen, f\u00fcr Tischtennis eine beachtliche Zahl. Das motiviert.<br \/>\nWie in anderen Vereinen auch gibt es in Weinheim nicht automatisch eine Person, die seine Fu\u00dfstapfen direkt f\u00fcllen kann.<\/p>\n<p>Weinheim ist sicher kein Modell zum einfachen Kopieren. Es ist jedoch ein Beispiel daf\u00fcr, was im Damen-Tischtennis m\u00f6glich ist, wenn sportliche Gelegenheit, Sponsoren, Ehrenamt und Nachwuchsperspektive zusammenkommen \u2013 und wenn jemand bereit<br \/>\nist, daf\u00fcr dauerhaft Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Damenteams, drei Bundesligen, ein Verein: In der kommenden Saison schickt der TTC 46 Weinheim gleich drei Damenmannschaften in die drei h\u00f6chsten deutschen Spielklassen. Nach Vereinsangaben ist dies ein Novum im deutschen Tischtennis. Vorstand Christian S\u00e4ger ist einer der zentralen <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/?p=6829\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6829"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6829"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6829\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6830,"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6829\/revisions\/6830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ttc1946weinheim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}