TTC 46 bläst zum Angriff

Von Nicolai Lehnort WNOZ

Weinheim. Rainer Schmidt macht aus seinen Ansprüchen keinen Hehl. „Ich will das Finale erreichen“, sagt er mit breiter Brust. Und zwar nicht nur das im Mai, sondern auch schon eines im Januar. „Der Pokalsieg muss unser Ziel sein“, gibt der Trainer des TTC 46 Weinheim die Marschroute vor. In der abgelaufenen Saison war in der Tischtennis-Bundesliga der Frauen im Halbfinale Schluss, beim ersten Einzug ins Pokalfinale unterlag sein Team ebenfalls Branchenprimus Berlin Eastside. Diese Saison soll es jeweils eine Stufe höher hinausgehen. Und die Weinheimerinnen haben allen Grund, selbstbewusst an diese Mission heranzugehen.

Mit Orawan Paranang, die nach dessen Rückzug vom Bundesligisten TSV Langstadt kam, hat der TTC eine neue Nummer eins verpflichtet. Mit ihren 29 Jahren hat die 108. der Weltrangliste schon reichlich Erfahrung gesammelt, ging unter anderem zweimal bei den Olympischen Spielen für Thailand an den Start. Abwechselnd mit der Taiwanesin Tung-Chuan „Lois“ Chien, auf 52 die am höchsten gerankte Weinheimerin der Weltrangliste, soll sich die Linkshänderin den Spitzenplatz teilen. Da pro Partie nur eine Nicht-EU-Spielerin eingesetzt werden darf, ist Arbeitsteilung angesagt. Die deutsche Nationalspielerin und Olympionikin Yuan Wan bleibt im vorderen Paarkreuz gesetzt.

Routine für hinteres Paarkreuz

Das sechs Spielerinnen breite Aufgebot hat sich aber nicht nur in der Spitze verstärkt. Für das hintere Paarkreuz hat der TTC-Vorsitzende Christian Säger mit Qi Shi von Ligakonkurrent Bingen/Münster-Sarmsheim eine weitere routinierte Angriffsspielerin an Land gezogen, die „unheimlich viel Ruhe ausstrahlt und uns hinten Stabilität gibt“, hofft Trainer Schmidt auf eine zuverlässige Punktesammlerin. Neben der Ukrainerin Veronika Matiunina setzt Weinheim auf der hinteren Position auf Nachwuchstalent Elisa Nguyen, die über die zweite Mannschaft an die Bundesliga herangeführt werden und nach und nach zu Einsätzen kommen soll.

Die zweite Mannschaft ist nach dem Aufstieg in die 2. Liga der ideale Nährboden für Talente. Die 17-Jährige bildet dort gemeinsam mit Daria Trigolos das vordere Paarkreuz. Nach dem Traumstart mit drei Siegen musste der TTC II am vergangenen Wochenende eine herbe 0:6-Schlappe hinnehmen, führt die Tabelle aber vorerst an. „Die 2. Liga ist relativ stark“, findet die im Vorjahr aus der 3. Liga aus Stuttgart an die Bergstraße gewechselte Junioren-Nationalspielerin. „Aber das Niveau in der Bundesliga ist noch mal ein ganz anderes.“ Eines, an das Nguyen Stück für Stück – und bei Bedarf – herangeführt werden soll.

Denn in der Vorsaison, in der Weinheim erst in einem Krimi am letzten Spieltag als Vierter in die Playoffs eingezogen war, wurde der deutsche Meister von 2025 von Verletzungen und Ausfällen heimgesucht, die nur schwer zu kompensieren waren. Spitzenspielerin Wan fiel lange verletzt aus, Solomiya Yaremchuk, ehemals Brateyko, konnte wegen ihrer Schwangerschaft gar nicht antreten und auch für Mateja Jeger, die inzwischen ebenfalls Mutter geworden ist, war die Saison nach einem Kreuzbandriss früh beendet. Die Kroatin ist für diese Spielzeit keine Option, die Ukrainerin Yaremchuk könnte in der Rückrunde ein Thema werden.

„Wenn jetzt jemand ausfällt, können wir sie besser ersetzen“, sieht Trainer Schmidt sein Team durch den Unterbau in einer stärkeren Position. „Das ist wichtig, wenn du ganz oben mitspielen willst.“ Auf diesem Niveau sind es aber nicht nur Verletzungen oder Schwangerschaften, internationale Turniere kommen allen Bundesligisten in die Quere. Spitzenspielerinnen fliegen regelmäßig um den Globus, um für ihre Nationalmannschaften aufzuschlagen. Sie an den Wochenenden wieder in der Bundesliga beisammen zu haben, gleicht einem logistischen Meisterstück. Viele Bundesligisten melden zu Saisonbeginn deshalb ein größeres Aufgebot, teilweise gar im zweistelligen Bereich, um flexibel reagieren zu können.

In voller Stärke wie in jedem Jahr Favorit auf den Titel ist der amtierende Meister und Dominator TTC Berlin Eastside mit Aushängeschild Nina Mittelham. Getoppt wird die Nummer 29 der Welt bundesligaweit nur noch von Sabine Winter, die als Neunte zur absoluten Weltspitze gehört und für Dachau aufschlägt. Gemeinsam mit DJK Kolbermoor um Annett Kaufmann, das mit drei Siegen in die Saison gestartet ist, bildet das Quartett den Favoritenkreis.

Klarer Auftaktsieg

Dass Weinheim auch wieder ein ernsthaftes Wörtchen mitreden möchte, haben sie am ersten Spieltag gezeigt. In der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, in der der TTC jetzt in seine zweite Saison geht, haben die Gastgeberinnen dem ESV Weil am Sonntag zum Bundesliga-Auftakt vor 110 Zuschauern keine Chance gelassen. 6:1 hieß es gegen den Vorjahresletzten. Einzig Nguyen musste sich mit 2:3 geschlagen geben.

Sogar für die 17-Jährige steht beim TTC inzwischen eine Nachfolgerin in den Startlöchern. In der dritten Mannschaft, die das Weinheimer Trio in den höchsten Spielklassen des Landes in der 3. Liga komplettiert, sorgt derzeit Lotta Rothfuß für Aufsehen. Die erst 14-Jährige schlägt für die Juniorennationalmannschaft auf und gilt als großes Nachwuchstalent. „Ich traue ihr absolut zu, irgendwann für uns in der Bundesliga zu spielen“, ist sich Schmidt schon jetzt sicher. Der Talentpool in Weinheim scheint derzeit gut gefüllt. Schmidts breite Brust kommt also nicht von ungefähr.