WNOZ: Im Hexenkessel gelingt fast die Sensation

Tischtennis: TTC 46 Weinheim muss nach dem Sieg in Bingen und dem 5:5 gegen Kolbermoor jetzt auf einen Patzer des Konkurrenten hoffen.

Im Hexenkessel gelingt fast die Sensation

Von Anja Treiber

Weinheim. Es war so knapp! Im letzten Spiel eines langen Tischtennis-Wochenendes hatte es gestern Enisa Sadikovic auf dem Schläger, dem TTC 46 Weinheim doch noch einmal die Tür zu den Play-offs zu öffnen. Die Nummer drei der zweiten Mannschaft des TTC 46 Weinheim hatte gegen Tijana Jokic von SV DJK Kolbermoor einen 0:2-Rückstand noch in ein 2:2 verwandelt und einen 5:9-Rückstand noch in ein 10:10 umgewandelt. Am Ende hieß es 10:12 und 5:5 gegen die Mannschaft aus Bayern.

Die starken Enisa Sadikovic und Veronika Matiunina (links) gewannen sowohl ihr Doppel als auch drei Einzelpunkte für den TTC 46 Weinheim. Für den Sieg reichte das allerdings nicht. Bild: Philipp Reimer

Schade, dass der amtierende Deutsche Meister nach dem 6:0-Sieg in Bingen gestern vor eigenem Publikum nicht nachlegen konnte. Um die Play-off-Spiele um die Deutsche Meisterschaft jetzt noch zu erreichen, müsste Kolbermoor sein letzten Spiel gegen Langstadt verlieren, Weinheim beim Tabellenletzten klar gewinnen. „Wir hoffen, dass Langstadt sich sportlich zeigt und noch einmal alles in die Waagschale wirft“, sagte TTC-Trainer Rainer Schmidt gestern. Kolbermoors Spitzenspielerin Annett Kaufmann sieht den Matchball bei ihrem Team. „Aber wir wissen auch, dass Langstadt stark spielt und wir alles geben müssen. Das 5:5 ist für uns ein Okay-Ergebnis heute, Weinheim hat wirklich stark gespielt und super gekämpft.“

Weinheims Trainer Schmidt bekannte aber auch: „Es war eine schwierige Saison für uns mit vielen Verletzungen und zwei zwar erfreulichen Schwangerschaften, die uns aber immer wieder vor personelle Probleme gestellt haben.“

An Zweitmannschaftsspielerin Enisa Sadikovic, die zuvor gegen Alina Zavarykina und am Samstag bereits in Bingen gepunktet hatte, ging dabei überhaupt kein Vorwurf. „Ganz im Gegenteil, nur großes Lob für ihre starke Leistung“, sagte Rainer Schmidt, der hofft, dass das junge Talent im Verein gehalten werden kann. „Aktuell können wir ihr keinen Platz im Erstliga-Kader anbieten, ich hoffe aber, dass der Verein eine Lösung finden wird. Ihr gehört die Zukunft.“

Wan: „Meine zweite Heimat“

Zuvor hatte TTC-Vorstand Christian Säger das Team der kommenden Runde bekannt gegeben. Aus dieser von Verletzungen geprägten Runde zieht man in Weinheim Konsequenzen und wird das künftige Team deutlich breiter aufstellen. Bis auf Seonhjim Kim, die bereits in dieser Runde öfter Platz für Spitzenspielerin Tung-Chuan Chien machen musste, bleiben alle Spielerinnen an Bord, auch die gestern sehr starke Veronika Matiunina. Die schwangere Mateja Jeger steht allerdings zunächst einmal nur auf dem Papier, zumal sie auch einen Kreuzbandriss noch auskurieren muss.

Auch Mannschaftskapitänin Yuan Wan bleibt. „Weinheim ist meine zweite Heimat, hier fühle ich mich wohl und nach dieser doch etwas verkorksten Saison will ich dem Verein in der kommenden Runde mit einer noch stärkeren Mannschaft etwas zurückgeben“, sagte die Frau, die zusammen mit Kolbermoors Tischtennis-Star Annett Kaufmann die Olympischen Spiele von Paris rockte und nur haarscharf an einer Bronzemedaille vorbeigeschrammt war. Eine Schulterverletzung bremste Wan in dieser Runde aus. Dass gegen Kolbermoor weder sie noch „Lois“ Chien im vorderen Paarkreuz punkten konnten, machte sie als ausschlaggebend für das 5:5 aus. „Das war ärgerlich. Nächstes Jahr wollen wir es besser machen.“

TTC-Kader wird noch breiter

Dann mit einem noch ausgeglicheneren Kader. Die eigentlich schon diese Runde als Teammitglied geplante Ukrainerin Solomiya Brateyko kehrt nach ihrer Schwangerschaft an die Platte zurück. Vom sich auflösenden TSV Langstadt kommt die thailändische Nummer 1 Orawan Paranang, Qi Shi von der TTG Bingen/Münster Sarmsheim komplettiert den Kader, der noch von Talent Elisa Nguyen komplettiert wird.

Jetzt gilt aber das Augenmerk erst einmal dem letzten regulären Bundesliga-Spieltag, wen Weinheim am 12. April bei Schlusslicht Weil antreten und zeitgleich auf eine Heimniederlage von Kolbermoor gegen Langstadt hoffen muss. Das 5:5 gestern sieht Christian Säger nicht als ausschlaggebend für die durchwachsene Saison. „Das war jetzt noch einmal ein richtig gutes Spiel, mit allem, was Tischtennis attraktiv macht. Die Punkte haben wir gegen andere Teams liegen lassen.“

286 Zuschauer sorgten an der traditionellen Spielstätte im Heisenberg-Gymnasium für einen Hexenkessel und eine ganz andere Stimmung als in der zwar neuen, aber nicht so stimmungsvollen Sporthalle der Bonhoeffer-Schule. „Das treibt uns zu ganz anderen Leistungen an“, findet Yuan Wan. Rainer Schmidt weiß, dass die Logistik in Weinheims Westen besser ist, die Helfer nicht so stark gefordert werden. „Wir werden darüber reden müssen, wie es nächste Saison weitergeht. Die Mannschaft würde sich eine Rückkehr wünschen.“ So oder so: Spitzen-Tischtennis ist beim noch amtierenden Deutschen Titelträger so oder so garantiert.

Fleißig im Autogramme schreiben: Deutschlands Tischtennis-Star Annett Kaufmann erfüllte auch geduldig jeden Foto-Fanwunsch. Bild: Anja Treiber